26. November 2024 – Autor: Lukas Becker (PKV Experte)
Continentale Comfort-U:
So erkennst du versteckte Kostenfallen im PKV-Tarif
Ein monatlicher Beitrag von 552 Euro statt 106 Euro – auf den ersten Blick erscheint der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wie ein schlechtes Geschäft. Doch die Wahrheit ist komplexer. Viele PKV-Angebote sind bewusst intransparent gestaltet und verbergen wichtige Details in den Tarifbedingungen. Wer nicht genau hinschaut, zahlt am Ende nicht nur höhere Beiträge, sondern auch unerwartete Zusatzkosten bei jeder Behandlung. In diesem Ratgeber erfährst du, worauf du bei PKV-Angeboten wirklich achten musst und welche Fallen dir teuer zu stehen kommen können.
HUK-COBURG Komfort 0 Tarif-Prüfung
Was steckt wirklich in einem PKV-Angebot?
Am Beispiel des Continentale-Tarifs "Comfort-U" für einen 32-jährigen Selbstständigen lässt sich zeigen, wie schnell die Übersicht verloren geht. Das Angebot besteht aus mehreren Bausteinen: einer Vollversicherung mit Beitragsrückerstattung, einer stationären Zusatzversicherung (SP2) für Zweibettzimmer und Privatarzt (34,72 Euro), einer Option P für späteren erweiterten Schutz ohne erneute Gesundheitsprüfung (8,50 Euro), einer Pflegepflichtversicherung (63,88 Euro) und einem Krankenhaustagegeld ab dem 43. Tag (1,50 Euro). Der entscheidende Punkt: Viele dieser Bausteine klingen sinnvoll, entpuppen sich aber bei genauer Betrachtung als überflüssig oder problematisch. Die Option P beispielsweise kostet monatlich Geld, bildet aber keine Altersrückstellungen und ist nicht steuerlich absetzbar. Das Krankenhaustagegeld greift erst nach über sechs Wochen Klinikaufenthalt – ein Szenario, das für die meisten Menschen selten eintritt.
Die versteckte Kostenfalle: Fallbezogene Selbstbeteiligung
Besonders tückisch ist die Selbstbeteiligungsregelung des Tarifs. Anders als bei vielen anderen PKV-Tarifen mit jährlichem Höchstbetrag, zahlt man hier 20 Euro pro Fall: für jeden Behandlungstag, jedes Arzneimittel und jeden Arztbesuch einzeln. Im Krankenhaus ist die Zuzahlung auf 14 Tage begrenzt (maximal 280 Euro), im ambulanten Bereich gibt es jedoch keine Obergrenze. Was bedeutet das konkret? Wer dreimal pro Woche zur Physiotherapie geht, zahlt jedes Mal 20 Euro dazu. Bei chronischen Erkrankungen mit regelmäßigen Arztbesuchen und Medikamenten summiert sich das schnell auf mehrere hundert Euro pro Jahr – zusätzlich zum ohnehin hohen Monatsbeitrag. Für gesunde Menschen mit seltenen Arztbesuchen mag dieses Modell attraktiv sein, für alle anderen wird es zur Kostenfalle.
Zahnersatz: Sechs Jahre Geduld erforderlich
Auch beim Zahnersatz lauert eine zeitliche Falle. Zwar werden Zahnbehandlungen zu 100% übernommen, doch Zahnersatz nur zu 80% – und das auch erst nach und nach:
  • 1. Jahr: maximal 1.000 Euro Erstattung
  • 2. Jahr: maximal 2.000 Euro
  • 3. Jahr: maximal 3.000 Euro
  • 4. Jahr: maximal 5.000 Euro
  • Ab dem 5. Jahr: stabiler Höchstbetrag
Wer in den ersten Jahren eine teure Zahnbehandlung benötigt, bleibt auf einem Großteil der Kosten sitzen. Hinzu kommt: Bei Implantaten werden maximal sechs pro Kiefer zu 80% übernommen, und die Gebührenordnung ist auf das 3,5-fache begrenzt. Alles darüber hinaus zahlst du selbst. Vergisst du außerdem, einen Heil- und Kostenplan einzureichen, sinkt die Erstattung auf magere 50%.
Wo der Tarif punktet und wo nicht
Nicht alles am Tarif ist schlecht. Im ambulanten Bereich bietet er solide Leistungen:
  • 100% Erstattung für ambulante Heilbehandlung, Naturheilverfahren und Heilpraktiker
  • Vorsorgeuntersuchungen nach gesetzlichen Programmen vollständig abgedeckt
  • Psychotherapie bis zu 50 Sitzungen ohne Zuzahlung (danach mit Genehmigung)
  • Offener Hilfsmittelkatalog mit 100% Erstattung (bei Rechnungen über 1.000 Euro nur mit Kostenvoranschlag, sonst 80%)
Aber Achtung: Sehhilfen werden nur mit 300 Euro alle zwei Jahre bezuschusst – bei hochwertigen Brillen oder Gleitsichtgläsern ein Tropfen auf den heißen Stein. Auslandsreiseimpfungen sind nicht abgedeckt, nur die STIKO-Standardimpfungen. Im stationären Bereich verbessert sich die Situation erst durch den Zusatztarif SP2, der das Mehrbettzimmer auf Zweibettzimmer mit Privatarzt aufwertet. Ohne diesen Zusatz hättest du im Krankenhaus keine bessere Unterbringung als in der gesetzlichen Kasse. Die Gebührenordnung ist hier auf den 2,3-fachen Satz begrenzt – bei komplexen OPs kann das zu Problemen führen.
Was bei Ausland, Reha und Kuren gilt
Der Tarif bietet weltweiten Schutz für bis zu sechs Monate – ideal für längere Reisen oder temporäre Auslandsaufenthalte. Darüber hinaus musst du dich jedoch anderweitig absichern. Stationäre Reha-Maßnahmen und Anschlussheilbehandlungen sind mitversichert, allerdings mit der Einschränkung, dass sie innerhalb von 14 Tagen nach der Behandlung beginnen müssen. Ambulante Kuren sind komplett ausgeschlossen – ein klarer Nachteil gegenüber manchen anderen Tarifen.
Die Rechnung: Lohnt sich der Wechsel wirklich?
Auf dem Papier ergibt sich eine beeindruckende Rechnung: Der Selbstständige zahlt aktuell 105,80 Euro in der gesetzlichen Krankenkasse. Bei einem Wechsel in die PKV würde er vorsteuerlich etwa 505,91 Euro mehr zahlen – das entspricht rund 6.071 Euro jährlich. Aber: Diese Rechnung berücksichtigt nicht die Steuerersparnis. Die PKV-Beiträge sind nur teilweise als Vorsorgeaufwendungen absetzbar, und die tatsächliche Ersparnis hängt stark vom individuellen Steuersatz ab. Zudem steht für Januar 2025 bereits die nächste Beitragsanpassung an – wie hoch diese ausfällt, ist unklar. Die Beitragsrückerstattung klingt verlockend: Bei vollständiger Leistungsfreiheit gibt es im ersten Jahr zwei Monatsbeiträge zurück, in den Folgejahren sogar mehr. Doch wer nutzt seine Krankenversicherung wirklich ein ganzes Jahr nicht? Bei der fallbezogenen Selbstbeteiligung bedeutet schon ein einziger Arztbesuch, dass die Rückerstattung entfällt.
Checkliste: So erkennst du Tariffallen
Bevor du dich für eine PKV entscheidest, prüfe folgende Punkte kritisch:
  • Selbstbeteiligung: Gibt es einen jährlichen Höchstbetrag oder zahlst du pro Fall unbegrenzt?
  • Zahnstaffel: Wie lange dauert es, bis der volle Zahnersatzschutz greift?
  • Gebührenordnung: Sind die Sätze bei Ärzten und Zahnärzten ausreichend hoch (mindestens 3,5-fach)?
  • Hilfsmittel und Sehhilfen: Sind die Höchstgrenzen realistisch für deine Bedürfnisse?
  • Zusatztarife: Brauchst du wirklich alle Bausteine oder zahlst du für Leistungen, die du nie nutzt?
  • Wartezeiten: Gibt es Wartezeiten bei bestimmten Leistungen?
  • Auslandsschutz: Wie lange bist du im Ausland abgesichert?
  • Steuerliche Absetzbarkeit: Welche Beitragsbestandteile kannst du wirklich von der Steuer absetzen?
Fazit: Transparenz schlägt Marketing
Die private Krankenversicherung kann für Selbstständige und Gutverdiener eine sinnvolle Alternative zur gesetzlichen Kasse sein – aber nur, wenn der Tarif wirklich passt. Viele Angebote sind bewusst unübersichtlich gestaltet und enthalten Leistungsbausteine, die mehr kosten als nutzen. Die wichtigste Erkenntnis: Lass dich nicht von niedrigen Einstiegsbeiträgen oder vermeintlichen Extras blenden. Schau genau hin, welche Leistungen du wirklich brauchst, wie die Selbstbeteiligung geregelt ist und welche versteckten Kosten auf dich zukommen können. Eine fallbezogene Selbstbeteiligung ohne Höchstgrenze kann bei häufigen Behandlungen teurer werden als ein höherer Monatsbeitrag mit Jahreshöchstbetrag. Mein Tipp: Hol dir unabhängige Beratung, bevor du unterschreibst. Lass verschiedene Tarife durchrechnen und vergleichen – nicht nur den Monatsbeitrag, sondern die Gesamtkosten inklusive aller Zuzahlungen. Und frag dich ehrlich: Wie oft gehst du zum Arzt? Hast du chronische Beschwerden? Brauchst du regelmäßig Medikamente? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden darüber, ob ein Tarif wirklich zu dir passt oder zur Kostenfalle wird. Bevor du dich für eine PKV entscheidest, rechne nicht nur mit dem besten Fall, sondern auch mit realistischen Szenarien. Deine Gesundheit ist zu wichtig für Kompromisse – aber dein Geldbeutel auch.
Sichere dir jetzt deine persönliche Beitragsstrategie
Erhalte in 15 Minuten Klarheit, ob du deine Beiträge intelligent nutzen kannst – oder nicht.
100 % kostenfrei & unverbindlich
© 2025 MeinMakler24 GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Diese Seite ist nicht Teil der Facebook-Webseite oder der Firma Facebook Inc. Darüber hinaus wird diese Webseite NICHT von Facebook in irgendeiner Weise unterstützt. FACEBOOK ist eine Marke von FACEBOOK Inc.