11. Februar 2026 – Autor: Lukas Becker (PKV Experte)
Hansemerkur AZP im Check:
Warum dieser Premium-Tarif oft nicht hält, was er verspricht
Du überlegst, in die private Krankenversicherung zu wechseln oder bist bereits im Tarif AZP der Hansemerkur versichert? Dann solltest du jetzt genau aufpassen. Denn was auf den ersten Blick wie ein Premium-Produkt aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Vertrag mit erheblichen Lücken. Gerade bei Leistungen, die im Ernstfall wirklich wichtig werden, zeigt dieser Tarif gravierende Schwächen. In diesem Ratgeber erfährst du, wo die versteckten Fallstricke liegen und ob der AZP wirklich zu dir passt. Wenn du dir den Tarif lieber erklären lässt, statt alles zu lesen: In unserem YouTube-Video zum HanseMerkur AZP in 2026 gehen wir alle wichtigen Punkte Schritt für Schritt durch – von den Leistungen über die möglichen Fallstricke bis hin zu einem ehrlichen Fazit. So bekommst du in wenigen Minuten ein klares Bild, ob der Tarif wirklich zu dir passt.
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Ambulante Leistungen: Wo es eng wird
Vorsorgeleistungen: Nicht alles ist drin
Auf dem Papier klingt es gut: 100 % Erstattung für gesetzlich eingeführte Vorsorgeprogramme. Doch genau hier beginnt das Problem. Der Tarifdeckt nur die Programme ab, die auch die gesetzliche Krankenkasse zahlt – plus einige wenige "weitere" Untersuchungen, die in einer festen Liste aufgeführt sind. Willst du eine Vorsorgeuntersuchung machen, die nicht auf dieser Liste steht? Pech gehabt. Noch ärgerlicher: Jede Vorsorge, die du in Anspruch nimmst, wird auf deine Beitragsrückerstattung angerechnet. Anders als bei modernen Tarifen, die solche Leistungen "rückerstattungsunschädlich" behandeln, greifst du hier direkt in deine Erstattung ein. Das Prinzip: Du sollst möglichst keine Leistungen abrufen.
Heilmittel: Zahlen nach Bundesbeihilfeverordnung
Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie – alles wichtig, wenn du dich verletzt hast oder eine Reha brauchst. Doch auch hier schränkt der AZP ein: Die Abrechnung erfolgt nach der Bundesbeihilfeverordnung. Das klingt erstmal harmlos, bedeutet aber, dass du je nach Bundesland und Therapeut schnell auf Zusatzkosten sitzen bleiben kannst. Denn die Sätze der Bundesbeihilfeverordnung decken oft nicht die tatsächlichen Kosten ab. Unser Tipp: Frag vor jeder Heilmittelbehandlung bei der Hansemerkur nach, ob und in welcher Höhe die Kosten übernommen werden.
Psychotherapie ambulant: Ein Skandal
Hier wird es richtig problematisch. Gerade in unserer Leistungsgesellschaft, in der mentale Gesundheit immer wichtiger wird, zeigt der AZP eine erschreckende Lücke: Psychotherapie wird nur zu 90 % erstattet – und das auch nur nach vorheriger Zusage durch die Versicherung. Maximal 50 Sitzungen werden bezahlt. Stell dir vor: Du fühlst dich psychisch angeschlagen, brauchst dringend Hilfe – und musst dich erstmal mit deiner Versicherung herumschlagen, ob sie die Behandlung überhaupt genehmigt. Und dann zahlst du auch noch 10 % selbst. Das ist schlechter als bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Für einen angeblichen Premium-Tarif ist das nicht akzeptabel.
Weitere ambulante Schwachstellen
  • Schutzimpfungen: Nur nach STIKO-Katalog. Impfungen für Auslandsreisen? Fehlanzeige – zumindest die meisten. Schau dir den STIKO-Katalog genau an, dann wirst du überrascht sein, wie wenig wirklich abgedeckt ist.
  • Arzneimittel: Auf den ersten Blick 100 %, doch parenterale Ernährung (künstliche Ernährung über Infusion) wird nicht bezahlt.
  • Sehhilfen: 260 € alle zwei Jahre im Grundtarif, mit Aufbaubaustein EGO2 immerhin 600 €. Das ist okay, aber nicht herausragend.
Stationäre Versorgung: Privatkliniken? Nur eingeschränkt
Privatarztbehandlung ja – Privatklinik nein
Du denkst, mit einer privaten Krankenversicherung kannst du in jede Privatklinik? Nicht mit dem AZP. Hier werden nur die einfachen Kosten übernommen – genau wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. Für die Unterbringung in einer Privatklinik zahlst du also kräftig drauf. Das ist ein massives Problem. Denn einer der Hauptgründe, warum Menschen sich privat versichern, ist der Zugang zu erstklassigen Privatkliniken – egal ob im Inland oder auf der Skipiste im Ausland. Mit diesem Tarif bleibst du auf hohen Zusatzkosten sitzen.
Hilfsmittel mit Limit
Der Tarif wirbt mit einem "offenen Hilfsmittelkatalog" – und das klingt erstmal gut. Doch es gibt eine empfindliche Grenze: 15.000 € für Krankenfahrstühle. Brauchst du einen hochwertigen Rollstuhl, weil du nach einem Unfall oder einer Erkrankung auf ihn angewiesen bist, reichen 15.000 € oft nicht. Moderne, individuelle Modelle kosten schnell das Doppelte. Die Differenz? Zahlst du selbst. Und noch ein Detail: Blindenhunde werden nicht übernommen. Für Menschen mit Sehbehinderung kann das existenziell sein.
Psychotherapie stationär: Hier stimmt's
Positiv zu erwähnen: Im stationären Bereich gibt es bei Psychotherapie keine Begrenzung mehr. 100 % Kostenübernahme, keine Sitzungslimits. Immerhin.
Zahnbereich: Veraltete Verzeichnisse und Staffelungen
Material- und Laborkostenverzeichnis: Ein Problem für die Zukunft
Zahnbehandlungen werden zu 100 % erstattet – aber Achtung beim Zahnersatz. Hier rechnet die Hansemerkur nach einem Material- und Laborkostenverzeichnis ab. Das klingt technisch, hat aber weitreichende Folgen: Die Versicherung legt selbst fest, welche Preise sie für Materialien und Laborleistungen akzeptiert. Neue, innovative Materialien? Müssen nicht aufgenommen werden. Anpassungen an die Inflation? Liegen im Ermessen der Gesellschaft. Das bedeutet: Du hast keinen rechtssicheren Anspruch auf moderne Zahnbehandlungen.
Zahnstaffel: Lange Wartezeiten
In den ersten beiden Jahren erhältst du maximal 1.600 € für Zahnersatz und Kieferorthopädie. Eine hochwertige Krone kostet heute locker 2.000 €. Erst nach sechs Jahren bist du bei 6.400 € – und erst ab dem siebten Jahr ohne Limit. Das ist eine lange Zeit, in der du im Zweifel draufzahlst.
Prophylaxe: Nur 120 € im Jahr
Für professionelle Zahnreinigung gibt's gerade mal 120 € pro Jahr. Das reicht für eine Sitzung – vielleicht. Empfohlen werden mindestens zwei pro Jahr. Auch hier: selbst zahlen.
Der Trick mit der Beitragsrückerstattung
Jetzt wird's richtig interessant – und fragwürdig. Der AZP funktioniert anders als die meisten Tarife: Du bekommst die Beitragsrückerstattung sofort verrechnet. Das heißt, dein monatlicher Beitrag reduziert sich von Anfang an um etwa 180 bis 200 €. Klingt super? Ist es aber nicht. Denn sobald du auch nur eine einzige Rechnung einreichst, springt dein Beitrag sofort auf 100 % hoch – und bleibt dort für 24 Monate. Kündigst du in dieser Zeit, musst du das vorweg erhaltene Geld sogar zurückzahlen. Was das bedeutet: Dieser Tarif ist darauf ausgelegt, dass Versicherte möglichst keine Leistungen in Anspruch nehmen. Du wirst finanziell bestraft, wenn du zum Arzt gehst. Das ist das Gegenteil dessen, wofür eine Krankenversicherung eigentlich da sein sollte.
Weitere Schwachstellen im Überblick
  • Weltgeltung: Nur einen Monat. Planst du längere Auslandsaufenthalte, bist du nicht ausreichend geschützt.
  • Kur und Anschlussheilbehandlung: Stationäre Kuren gibt es gar nicht. Anschlussheilbehandlungen nur mit 14-Tages-Frist – sonst wird's strittig. Auch hier: schlechter als die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Gemischte Anstalten: Gehst du in ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), kann es sein, dass die Versicherung nicht zahlt. Immer vorher nachfragen!
Fazit: Premium-Tarif mit Basis-Leistungen
Der Hansemerkur AZP sieht auf den ersten Blick attraktiv aus – günstiger Beitrag, viele Leistungen auf dem Papier. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Dieser Tarif hat erhebliche Schwächen, gerade dort, wo es darauf ankommt. Die größten Probleme:
  • Psychotherapie ambulant nur eingeschränkt und nach Genehmigung
  • Privatkliniken nur zu einfachen Kosten
  • Zahnersatz nach veraltetem Verzeichnis
  • Heilmittel nur nach Bundesbeihilfeverordnung
  • Beitragsrückerstattung als Steuerungsinstrument, um Leistungen zu vermeiden
Für wen könnte der Tarif trotzdem passen? Wenn du sehr gesund bist, kaum Leistungen in Anspruch nimmst und vor allem Wert auf einen niedrigen Beitrag legst, mag der AZP kurzfristig interessant sein. Langfristig und im Ernstfall wirst du jedoch auf vielen Kosten sitzen bleiben. Unser Rat: Lass deinen Tarif gründlich prüfen, am besten mit einer unabhängigen Analyse, die auch die Zukunftsprognose und Beitragsentwicklung einbezieht. Denn eine Krankenversicherung sollte dich schützen, nicht bestrafen, wenn du sie brauchst.
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